2.16 Warum diese Methode für die Frage nach dem Personsein

entscheidend ist

Was hat das alles mit der Frage nach dem Wesen des Menschen zu tun? Sehr viel.

Wenn es stimmt, dass wir durch genaues Hinschauen notwendige Wesenseigenschaften der Dinge erkennen können, dann können wir auch die notwendigen Wesenseigenschaften der menschlichen Person erkennen. Wir können fragen: Was gehört zum Wesen des Menschen — nicht zufällig, sondern notwendig? Was macht den Menschen zu dem, was er ist? Was kann man ihm nicht nehmen, ohne ihn als Menschen aufzuheben?

Und wir können auf diese Fragen Antworten finden, die nicht bloß Meinungen sind, sondern Einsichten — Erkenntnisse, die notwendig wahr sind und die jeder, der ehrlich und aufmerksam genug hinschaut, nachvollziehen kann.

Genau das werden wir in den folgenden Kapiteln tun. Wir werden die verschiedenen Bedeutungen des Wortes „Person“ untersuchen und fragen, welche davon dem An-sich-Sein der menschlichen Person angemessen ist. Wir werden das Sosein der menschlichen Person in den Blick nehmen — ihre notwendigen Wesenseigenschaften, ihr Wesen, ihre Natur. Und wir werden sehen, was geschieht, wenn man dieses Wesen vergisst oder leugnet.

Dabei wird sich zeigen: Die Frage nach dem Personsein ist nicht eine beliebige akademische Frage. Von der Antwort hängt ab, wie wir mit Menschen umgehen — von der Empfängnis bis zum Tod. Wenn der Mensch seinem Wesen nach Person ist, dann besitzt er eine Würde, die ihm niemand geben und niemand nehmen kann. Wenn er es nicht ist, dann steht seine Würde zur Disposition. Die Methode des genauen Hinschauens ist also keine bloße Vorfrage. Sie ist die Grundlage für alles, was folgt.

Das ist der Anspruch, der hinter der Frage „Was ist menschliches Personsein?“ steht. Es geht nicht darum, eine Theorie aufzustellen, die man annehmen oder ablehnen kann. Es geht darum, das Wesen des Menschen so in den Blick zu nehmen, dass seine notwendigen Wesenseigenschaften erkennbar werden.

Dafür braucht man keine Laborgeräte. Man braucht den Willen zum genauen Hinschauen. Man braucht die Bereitschaft, Vorurteile beiseitezulegen. Und man braucht die Demut, sich von den Dingen belehren zu lassen — statt ihnen vorzuschreiben, was sie zu sein haben.


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