Identität bezeichnet die Selbigkeit der Person über die Zeit hinweg: Dieselbe Person, die gestern existierte, existiert heute. Diese diachrone Einheit ist keine Konstruktion des Bewusstseins, sondern gründet im substanzontologischen Sein der Person.

Das Problem der diachronen Identität

Der empirisch-funktionalistische Personbegriff kann die diachrone Identität nicht erklären: Wenn Personsein durch aktuell ausgeübtes Selbstbewusstsein konstituiert wird, zerfällt die Person in eine Sequenz zeitlich begrenzter Bewusstseinszustände. David Hume reduziert das Ich auf ein Bündel von Perzeptionen, Derek Parfit erklärt personale Identität für eine Illusion.

Gegen diese Position richtet sich der Einwand der diachronen Identität: Nur ein substanzontologisches Subjekt kann die Einheit der Person über die Zeit tragen.

Substanzontologische Lösung

Die Person ist identisch mit sich selbst, weil sie eine geistige Substanz ist, die durch den Wandel ihrer Zustände hindurch dieselbe bleibt. Die Identität ist nicht Produkt der Erinnerung (Locke), sondern deren Voraussetzung: Man kann sich nur an etwas erinnern, wenn man dasselbe Subjekt ist, das die Erfahrung gemacht hat.

Quellenangaben: Bexten 2017, S. 218—254 (diachrone Identität und Substanzontologie).

Weitere Quellen:

  • Spaemann, Robert (1996): Personen. Versuche über den Unterschied zwischen „etwas” und „jemand”. Stuttgart: Klett-Cotta.
  • Thomas von Aquin: Summa theologiae, I, q. 29 (De personis divinis). — Dt.: Die deutsche Thomas-Ausgabe (DThA), Bd. 3. Salzburg: Pustet, 1939.
  • Boëthius: Liber de persona et duabus naturis (ca. 512). — Dt.: Die theologischen Traktate. Übers. M. Elsässer. Hamburg: Meiner (PhB 397), 1988.

Siehe auch