Ein unpaariges Organ ist ein Organ, das im menschlichen Körper nur einmal vorhanden ist und dessen vollständige Entnahme die spendende Person tötet. Beispiele: Herz, vollständige Leber, Pankreas.

Daraus folgt: Vollständige Entnahme erfordert postmortale Spende. Eine Lebendspende des ganzen Organs ist strukturell ausgeschlossen.

Lehramtliche Formulierung

Johannes Paul II. hat in seiner Ansprache vor dem XVIII. Internationalen Kongress der Transplantationsgesellschaft (Rom, 29. August 2000) die Differenzierung paarig/unparig lehramtlich explizit gemacht:

„Vital organs which occur singly in the body can be removed only after death, that is from the body of someone who is certainly dead. This requirement is self-evident, since to act otherwise would mean intentionally to cause the death of the donor in disposing of his organs.”

Damit gilt das Prinzip der Totalität (Pius XII. 1956), das die Lebendspende paariger Organe erlaubt, nicht für unparige Organe: Hier wäre die Bedingung „keine schwerwiegende Funktionsbeeinträchtigung” verletzt — die Entnahme bedeutet den Tod des Spenders.

Konkrete unparige Organe

Herz — strikt unpaarig. Die einzige Quelle ist die postmortale Spende (Organspende nach Kreislaufstillstand oder Organspende nach Hirntod). Lebendspende ist nicht möglich.

Leber (vollständig) — Vollständige Lebertransplantation nur post mortem. Allerdings ist die Leber zugleich teilbar: Eine Teil-Leber-Lebendspende (meist linker Lappen) ist möglich, weil die Leber regeneriert. Spender-Mortalitätsrisiko etwa 0,28 Prozent.

Pankreas — vollständige Spende nur post mortem; Teil-Lebendspende möglich.

Strukturelle Asymmetrie zur Organspende nach Kreislaufstillstand

Aus der unparigen Natur ergibt sich eine strukturelle Verschärfung der Organspende nach Kreislaufstillstand-Problematik:

AspektPaariges Organ (Niere)Unpaariges Organ (Herz)
Lebendspende möglich?ja, geringes Risikonein
Organspende nach Kreislaufstillstand vermeidbar?ja, durch Lebendspendenein
Permanenz-Spannungabschwächbar (Alternative existiert)unausweichlich
Organspende nach Kreislaufstillstand-BewertungOrganspende nach Kreislaufstillstand ist eine Quelle unter mehrerenOrganspende nach Kreislaufstillstand ist die einzige neue Quelle

Die Spende des Herzens nach Kreislaufstillstand (Schweiz 2023, weltweit 9 Länder, 24 Prozent der US-Herzspenden 2025) ist deshalb der paradigmatisch problematische Fall der Organspende nach Kreislaufstillstand-Diskussion: Wo keine Lebendspende-Alternative existiert, fällt die ganze ethische Last auf die Permanenz-Setzung — und genau hier sieht die hier vertretene Position die schärfste Spannung mit der Dead Donor Rule.

Substanzontologische Position

Bei unparigen Organen wirkt die Verletzung der Dead Donor Rule durch die Organspende nach Kreislaufstillstand-Permanenz-Setzung strukturell verstärkt, weil die Lebendspende-Alternative nicht existiert. Die Position der hier vertretenen Ontologie: Die Organspende nach Kreislaufstillstand bei unparigen Organen verletzt die Dead Donor Rule und die Personalistische Norm potentiell — und damit schärfer als bei paarigen Organen. Das Vorsichtsprinzip Benedikts XVI. fordert in dieser Lage besonders strikt die Annahme der schärferen Bedingung — nicht Permanenz, sondern Irreversibilität.

Ontologische Einordnung

Oberbegriff: Spenderorgan

Ontologische Beziehungen:

  • erlaubt keine Lebendspende der vollständigen Form
  • disjunkt mit: Paariges Organ
  • erfordert: Postmortale Spende für vollständige Spende
  • konkrete Beispiele: Herz, vollständige Leber, Pankreas
  • begründet die Verschärfung der: DDR-Spannung bei Organspende nach Kreislaufstillstand-Unpaarig

Kapitelzuordnung: Kapitel 4: Was ist menschliches Personsein?

Quellenangaben

Siehe auch


Generiert via Abfrage aus der Personsein-Ontologie.