1.4 Wie dieses Buch vorgeht
Die Frage „Was ist menschliches Personsein?“ lässt sich nicht in einem Schritt beantworten. Man muss sorgfältig vorgehen, und zwar in einer bestimmten Reihenfolge. Man muss Begriffe klären, bevor man Behauptungen aufstellt; man muss Grundlagen legen, bevor man Schlussfolgerungen zieht. Dieses Buch folgt einem Weg, der so aufgebaut ist:
Im nächsten Kapitel (Kapitel 2) geht es um die Methode: Wie denkt man über solche Fragen eigentlich nach? Kann man hier zu gesichertem Wissen kommen, oder ist alles bloß Meinungssache? Die Antwort wird sein: Ja, es gibt eine Methode des philosophischen Nachdenkens, die zu echten Einsichten führt. Diese Methode ist weder ein Beweis im mathematischen Sinne noch bloße Spekulation. Sie besteht darin, die Wirklichkeit aufmerksam in den Blick zu nehmen und das, was sich zeigt, im Denken sorgfältig und redlich auszulegen. Es geht darum, Wesenszusammenhänge zu erkennen — also nicht nur zu beschreiben, wie etwas aussieht, sondern zu verstehen, was etwas ist.
Kapitel 3 stellt dann die Frage: Was ist überhaupt eine Person? Bevor wir fragen können, was menschliches Personsein ausmacht, müssen wir klären, was das Wort „Person“ eigentlich bedeutet. Denn das Wort wird in der Alltagssprache und in der Philosophie auf sehr verschiedene Weisen gebraucht. Dabei zeigt sich, dass es grundverschiedene Personbegriffe gibt — und dass es nicht gleichgültig ist, welchen man verwendet. Manche Begriffe treffen die Wirklichkeit der Person, andere verkürzen sie. Dieses Kapitel untersucht die wichtigsten Personbegriffe aus der Geistesgeschichte und fragt, welcher der angemessenste ist.
Kapitel 4 ist das Herzstück des Buches: Was ist menschliches Personsein? Hier werden die drei Grundgedanken entfaltet, die oben skizziert wurden. Was heißt es, dass der Mensch eine geistige Substanz im Leib ist? Was bedeuten Leib und Seele, und wie hängen sie zusammen? Wie lässt sich zeigen, dass Personsein grundverschieden ist von dem, was eine Person tut? Wann beginnt menschliches Personsein? Und wie entfaltet sich das eine Personsein des Menschen in seinen drei Schichten — vom grundlegenden Dasein über das bewusste Leben bis zur sittlichen Entfaltung?
Kapitel 5 blickt auf die Kehrseite: Was passiert, wenn wir vergessen, was eine Person ist? Hier wird das Phänomen der Personvergessenheit in seinen verschiedenen Spielarten untersucht — in der Theorie und in der Praxis. Dieses Kapitel zeigt, was auf dem Spiel steht, wenn wir den Menschen nicht als das anerkennen, was er ist. Es zeigt auch, wie verbreitet und wie gefährlich diese Vergessenheit ist — und warum die Erinnerung an das, was der Mensch ist, nicht ein akademisches Projekt ist, sondern eine sittliche Notwendigkeit.
Kapitel 6 fasst die Ergebnisse zusammen und gibt einen Ausblick. Es bündelt die Haupterkenntnisse und zeigt, welche Folgen sie haben — für das Denken und für das Handeln.
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