Erkenntnis
Erkenntnis im philosophischen Sinne ist mehr als ein bloßes Für-richtig-Halten: Sie bedeutet, dass man einsieht, dass etwas so ist — und dass es nicht anders sein kann. Man erfasst einen Sachverhalt, der unabhängig vom eigenen Denken besteht. Man erfindet ihn nicht, man entdeckt ihn. Der Unterschied zwischen Einsicht und Meinung ist grundlegend: Eine Meinung kann wahr oder falsch sein, aber man weiß es nicht mit Gewissheit. Erkenntnis dagegen ist ein geistiges Erfassen, das festen Boden unter den Füßen gibt.
Das Buch betont die phänomenologische Methode: Man lässt die Sache selbst zu Wort kommen, statt sie in ein vorgefasstes Schema zu pressen — man nimmt ernst, was sich zeigt, auch wenn es nicht zum gerade modischen Weltbild passt. Manche Wahrheiten lassen sich nicht beweisen wie einen mathematischen Satz; sie lassen sich nur aufzeigen. Man kann jemanden dorthin führen, wo die Einsicht möglich wird — aber man kann sie nicht erzwingen (vgl. Bexten 2017, S. 30—55). Aristoteles formuliert: “Die Philosophie ist die Wissenschaft der Wahrheit.”
Für die Frage nach der Person ist Erkenntnis von besonderer Bedeutung: Das Personsein eines Menschen ist nie rein empirisch erfassbar. Es lässt sich nicht unter dem Mikroskop sehen oder im Gehirn-Scan abbilden. Es lässt sich nur geistig erfassen — durch Einsicht, nicht durch Messung. Die Selbsterfahrung des Menschen — das unmittelbare Wissen um das eigene Dasein (si fallor, sum — “wenn ich mich täusche, bin ich”) — ist eine Erkenntnis, die nicht durch äußere Beobachtung, sondern durch geistige Einsicht zustande kommt und ein geistiges Wesen voraussetzt. Husserl betonte: “Solange die Begriffe nicht unterschieden und geklärt sind, ist alle weitere Bemühung hoffnungslos.”
Kapitelzuordnung: Kapitel 2: Wie denkt man über solche Fragen nach?, Kapitel 4 (bes. 4.1, 4.6.3)
Ontologische Einordnung: Oberbegriffe: Personaler Akt, Urphänomen; Unterbegriffe: Intellektuelle Erkenntnis, Sinnliche Erkenntnis
Siehe auch:
- Einsicht
- Wahrheit
- Person
- Personsein
- Menschliche Person
- Erste Dimension
- Zweite Dimension
- Dritte Dimension
- Freiheit
- Vernunft
- Seele
- Substanz
- Innerlichkeit
- Selbstbewusstsein
- Intentionalität
- Personverhalten
- Actus humanus
- Agere sequitur esse
- Personvergessenheit
- Jemand
- Würde
- Liebe
- Bejahung
- Leib-Seele-Einheit
- Personalistische Norm
- Wesensgesetz
- Urphänomen
- Metaphysik
- Begriff
- Personbegriff
- Natur
- Embryo
- Demenz
- Basale Relationen
- Selbsttranszendenz
- Edmund Husserl
- Aristoteles
- Adolf Reinach
- Josef Seifert
- Robert Spaemann
- Kapitel 2: Methode
- Kapitel 4: Personsein
- Denken