Edmund Husserl (1859—1938)
Edmund Husserl ist der Begründer der Phänomenologie und damit der philosophischen Methode, die das Buch neben der thomistischen Tradition als zweite tragende Säule verwendet. Sein Grundsatz “Zurück zu den Sachen selbst” bestimmt den methodischen Zugang zur Frage nach der Person.
Schlüsselbeitrag
Husserls entscheidender Beitrag liegt in der methodischen Forderung: “Zurück zu den Sachen selbst!” Philosophie darf nicht von Theorien über die Dinge ausgehen, sondern von den Dingen selbst, wie sie sich zeigen. Diese phänomenologische Grundhaltung bedeutet für die Frage nach der Person: Nicht eine vorgefasste Theorie entscheidet, was eine Person ist, sondern die Einsicht in das, was sich an der Person selbst zeigt. Die Wahrheit über die Person wird nicht konstruiert, sondern eingesehen (vgl. Bexten 2017, S. 37—60).
Zentrale Ideen im Buch
Einsicht und Wahrheit
Husserl betont die Fähigkeit des menschlichen Geistes zur Einsicht — zum unmittelbaren Erfassen von Sachverhalten, die sich als wahr oder falsch erweisen. Diese Einsicht ist kein bloßes Meinen, sondern ein Sehen, das sich am Gegebenen ausweist. Für die Personontologie bedeutet das: Die Wahrheit über die Person ist keine willkürliche Setzung, sondern kann in genuiner Erkenntnis eingesehen werden.
Phänomenologie als Methode
Die phänomenologische Methode fordert, alle Vorurteile und vorgefassten Theorien “einzuklammern”, um zu den Sachen selbst vorzudringen. Auf die Frage nach der Person angewandt: Weder der naturalistische Reduktionismus noch der reine Idealismus dürfen das Ergebnis vorwegnehmen. Die Person muss so beschrieben werden, wie sie sich zeigt — als Jemand, der erkennt, liebt, frei ist und Verantwortung trägt.
Intentionalität
Husserls Lehre von der Intentionalität — dem Gerichtetsein des Bewusstseins auf etwas — weist auf die grundlegende Offenheit der Person hin. Das Selbstbewusstsein ist immer zugleich ein Bewusstsein von etwas: Die Person ist bei sich, indem sie über sich hinausgeht. Diese Struktur wird im Buch als Grundlage der Selbsttranszendenz und der Zweiten Dimension des Personseins aufgenommen.
Stellung im Buch
Husserl wird vor allem im Kapitel Wie lässt sich diese Frage beantworten? herangezogen, wo die phänomenologische Methode als Zugang zur Personontologie vorgestellt wird. Seine Schüler Hedwig Conrad-Martius, Edith Stein, Adolf Reinach und Max Scheler führen seine Methode in verschiedene Richtungen weiter und tragen wesentlich zur Entfaltung des substanzontologischen Personbegriffs bei.
Siehe auch
- Hedwig Conrad-Martius
- Edith Stein
- Adolf Reinach
- Max Scheler
- Martin Heidegger
- Peter Wust
- Josef Seifert
- Einsicht
- Wahrheit
- Erkenntnis
- Intentionalität
- Selbstbewusstsein
- Selbsttranszendenz
- Innerlichkeit
- Vernunft
- Person
- Personsein
- Menschliche Person
- Wesensgesetz
- Urphänomen
- Phänomenologie
- Metaphysik
- Begriff
- Personbegriff
- Zweite Dimension
- Jemand
- Soseinseinheit
- Freiheit
- Verantwortung
- Substanz
- Basale Relationen
- Kapitel 2: Methode
- Kapitel 1: Einleitung