Josef Seifert (*1945)
Josef Seifert ist ein bedeutender Vertreter des phänomenologischen Realismus und der personalistischen Philosophie. Sein Beitrag zum Buch liegt vor allem in der Bestimmung der Personwürde als ontologischer Wert und in der Analyse der Person als geistiger Substanz im Leib.
Schlüsselbeitrag
Seifert vertritt die These, dass die Würde der Person kein zugeschriebener, sozialer oder konventioneller Wert ist, sondern ein ontologischer Wert — ein Wert, der zum Sein der Person selbst gehört. Die Person hat Würde, weil sie Person ist, nicht weil sie etwas tut oder weil andere sie anerkennen. Diese Würde ist unverlierbar: Sie besteht unabhängig davon, ob die Person ihre Fähigkeiten aktuell ausübt, ob sie bei Bewusstsein ist, ob andere sie respektieren (vgl. Bexten 2017, S. 200 ff.).
Zentrale Ideen im Buch
Geistige Substanz im Leib
Seifert analysiert die menschliche Person als geistige Substanz im Leib: Die Seele ist nicht ein Gefangener im Körper (wie bei Descartes), sondern die belebende, formende Form des Leibes. Der Mensch ist weder reiner Geist noch bloßer Körper, sondern eine echte Leib-Seele-Einheit. Das geistige Sein der Person durchdringt den ganzen Leib und macht ihn zum personalen Leib.
Personwürde als ontologischer Wert
Seifert unterscheidet verschiedene Ebenen des Werts: den Wert der Dinge, den Wert des Lebens und den Wert der Person. Die Personwürde ist die höchste Form des ontologischen Werts, weil die Person das Vollkommenste in der Natur ist (vgl. Thomas von Aquin). Diese Würde gründet in der Ersten Dimension des Personseins — dem substantiellen Sein als Jemand — und kann durch kein Personverhalten oder Nicht-Verhalten aufgehoben werden.
Gegen den Funktionalismus
Seifert wendet sich entschieden gegen den empirisch-funktionalistischen Personbegriff, der die Personwürde an empirisch feststellbare Fähigkeiten bindet. Er zeigt: Wer Würde von Funktionen abhängig macht, hebt sie im Grunde auf — denn dann gibt es keine unbedingte Würde mehr, sondern nur noch eine bedingte, die man verlieren kann. Ein Embryo und ein Mensch mit Demenz haben dieselbe Personwürde wie jeder andere Mensch.
Stellung im Buch
Seifert wird vor allem in den Kapiteln Was ist menschliches Personsein? und Was ist eine Person? herangezogen. Seine Wertontologie ergänzt die thomistische Substanzontologie, die Realontologie von Conrad-Martius und die Personphilosophie Spaemanns zu einem kohärenten Gesamtbild.
Siehe auch
- Robert Spaemann
- Max Scheler
- Karol Wojtyła
- Edmund Husserl
- Thomas von Aquin
- Adolf Reinach
- Hedwig Conrad-Martius
- Rene Descartes
- Würde
- Person
- Personsein
- Menschliche Person
- Substanz
- Leib-Seele-Einheit
- Seele
- Leib
- Form und Stoff
- Jemand
- Erste Dimension
- Einsicht
- Erkenntnis
- Wahrheit
- Liebe
- Personalistische Norm
- Natur
- Personbegriff
- Substanzontologischer Personbegriff
- Empirisch-funktionalistischer Personbegriff
- Personverhalten
- Embryo
- Demenz
- Wesensgesetz
- Urphänomen
- Metaphysik
- Basale Relationen
- Agere sequitur esse
- Kapitel 4: Personsein
- Kapitel 3: Personbegriff