Selbsttranszendenz

Selbsttranszendenz bezeichnet das Sich-selbst-Überschreiten der Person auf den Anderen hin. Sie gehört zur dritten Dimension des Personseins und ist Ausdruck der höchsten Entfaltung personalen Lebens (Bexten 2017, S. 276 ff.).

Selbsttranszendenz und Interpersonalität

Die menschliche Person ist nicht als isoliertes Individuum zu verstehen, sondern wesentlich auf andere Personen bezogen. In der Selbsttranszendenz übersteigt sie die Grenzen des eigenen Selbst und tritt in echte Beziehung ein. Dies unterscheidet die menschliche Person fundamental von bloßen Dingen: Sie kann sich hingeben, ohne sich zu verlieren.

Gegenteil: curvatio in se ipsum

Das Gegenteil der Selbsttranszendenz ist die curvatio in se ipsum — die Verkrümmung in sich selbst. Wo die Person sich nur um sich selbst dreht, verfehlt sie ihre eigentliche Bestimmung. Robert Spaemann zeigt, dass die Personvergessenheit der Moderne eine solche Verkrümmung auf gesellschaftlicher Ebene darstellt.

Selbsttranszendenz, Liebe und Bejahung

Liebe ist die vollkommene Form der Selbsttranszendenz: die Bejahung des Anderen um seiner selbst willen. Karol Wojtyła und Max Scheler betonen, dass die Person sich in der Liebe nicht aufgibt, sondern gerade erst voll verwirklicht. Hans Eduard Hengstenberg sieht den Menschen als das zur Liebe berufene Wesen.

Voraussetzungen

Selbsttranszendenz setzt voraus:

  • Innerlichkeit — man muss ein Selbst besitzen, um es überschreiten zu können
  • Freiheit — die Hingabe muss freiwillig sein
  • Vernunft — die Person muss den Anderen als Person erkennen
  • Intentionalität — das Gerichtetsein auf den Anderen

Selbsttranszendenz und Verzeihen

Das Verzeihen ist eine besonders radikale Form der Selbsttranszendenz: Die Person überwindet die berechtigte Verletzung und bejaht den Anderen dennoch. Es zeigt, dass Personverhalten über bloße Naturgesetzlichkeit hinausgeht.

Ontologische Einordnung: Oberbegriff: Interpersonale Relation

Ontologische Beziehungen:

Siehe auch