Schönheit
Schönheit ist ein objektiver Wert, der im Seienden selbst gründet und eine spezifische Wertantwort — Bewunderung, Entzücken, Staunen — hervorruft. In der thomistischen Tradition ist Schönheit (pulchrum) ein transzendentales Attribut des Seienden, das heißt: Jedem Seienden, insofern es ist, kommt ein Moment von Schönheit zu. Schönheit ist nicht bloß subjektives Gefallen, sondern eine im Sein selbst gegründete Eigenschaft, die sich dem erkennenden und fühlenden Geist erschließt.
Als Urphänomen ist Schönheit nicht auf einfachere Begriffe zurückführbar. Man kann sie beschreiben — als Harmonie der Teile, als Leuchten der Form, als Übereinstimmung von Sein und Erscheinung —, aber jede Definition setzt bereits ein vorgängiges Verständnis dessen voraus, was Schönheit ist. Die Erfahrung des Schönen hat eine eigentümliche Kraft: Sie weist die Person über sich selbst hinaus, öffnet sie für die Tiefe des Seienden und weckt Ehrfurcht vor dem, was größer ist als sie selbst.
Die personalontologische Bedeutung der Schönheit liegt darin, dass sie eine der Weisen ist, in denen die Person der objektiven Wertordnung begegnet. Schönheit fordert eine angemessene Antwort — nicht Gleichgültigkeit, nicht bloßen Konsum, sondern ein Sich-Öffnen, das dem Wert des Schönen entspricht. Damit gehört die Erfahrung der Schönheit in den Zusammenhang der dritten Dimension des Personseins: der Selbsttranszendenz, in der die Person sich auf das richtet, was sie übersteigt.
Die Vernachlässigung oder Leugnung objektiver Schönheit — etwa in einem rein relativistischen Ästhetikverständnis — ist eine Form der Verarmung des personalen Lebens und eine Spielart der Personvergessenheit: Wer dem Menschen die Fähigkeit abspricht, objektive Schönheit zu erkennen, unterschätzt die Tiefe seines Geistes.
Ontologische Einordnung
- Oberbegriffe: Objektiver Wert, Urphänomen
Ontologische Beziehungen:
- ist Unterklasse von: Objektiver Wert
- ist Unterklasse von: Urphänomen
Siehe auch: