Hans Eduard Hengstenberg (1904—1998)

Hans Eduard Hengstenberg — Philosoph der Sachlichkeit und der personalen Grundakte — trägt zum Buch die Einsicht bei, dass der Mensch wesensmäßig ein zur Liebe berufenes Wesen ist. Liebe ist nicht etwas, das zur Person hinzukommt, sondern gehört zu ihrem tiefsten Wesen.

Schlüsselbeitrag

Hengstenberg versteht den Menschen als zur Liebe berufenes Wesen. Diese Berufung ist keine äußere Zuweisung, sondern gründet in der Natur der Person selbst: Weil die Person ein geistiges Wesen ist, ist sie wesensmäßig auf den anderen hin geöffnet. Die Liebe — als Bejahung des anderen um seiner selbst willen — ist der höchste Vollzug der Person, nicht eine optionale Eigenschaft (vgl. Bexten 2017, S. 207 ff.).

Zentrale Ideen im Buch

Sachlichkeit als Grundhaltung

Hengstenberg versteht unter “Sachlichkeit” nicht Nüchternheit oder Gefühllosigkeit, sondern die Grundhaltung des Geistes, die die Dinge so gelten lässt, wie sie sind. Sachlichkeit ist die erkennende Entsprechung zur Wahrheit: Sie nimmt Maß an der Sache (vgl. Peter Wust). Auf die Person angewandt: Sachlichkeit gegenüber der Person bedeutet, ihr Personsein und ihre Würde anzuerkennen — sie als Jemand zu sehen, nicht als Etwas.

Liebe und Selbsttranszendenz

Für Hengstenberg ist die Liebe der Grundakt der Selbsttranszendenz: In der Liebe geht die Person über sich hinaus und wendet sich dem anderen zu — nicht um ihrer selbst willen, sondern um des anderen willen. Diese Selbsttranszendenz gehört zur Dritten Dimension des Personseins. Sie setzt die Erste Dimension (substantielles Sein) und die Zweite Dimension (rationales Handeln) voraus und vollendet sie.

Gegen den Individualismus

Hengstenberg zeigt: Die Person ist kein in sich geschlossenes Individuum, sondern ein Wesen, das wesensmäßig auf Relationen hin angelegt ist. Die Personalistische Norm (Wojtyła) und Spaemanns These, dass Personen “nur im Plural” existieren, werden durch Hengstenbergs Analyse bestätigt: Die Person ist ganz bei sich (Substanz) und ganz beim anderen (Liebe) — beides zugleich.

Stellung im Buch

Hengstenberg wird vor allem im Kapitel Was ist menschliches Personsein? herangezogen, insbesondere bei der Entfaltung der Dritten Dimension und der Liebe als personalem Grundakt. Seine Philosophie ergänzt die substanzontologische Tradition (Thomas, Boëthius) um die Dimension der personalen Vollzüge.

Siehe auch