Freiheit
Freiheit im philosophischen Sinne ist die Fähigkeit des Menschen, sich selbst zu bestimmen. Der Mensch ist nicht festgelegt auf eine einzige Verhaltensweise wie das Tier, das seinen Instinkten folgt. Er kann wählen: für dies oder jenes, für das Gute oder das Böse, für Wahrheit oder Lüge. Robert Spaemann betont: Diese Freiheit ist nicht bloß eine Wahl zwischen Optionen. Sie ist die Fähigkeit zur Selbstbestimmung im radikalen Sinn — der Mensch entscheidet, indem er handelt, zugleich darüber, wer er ist und wer er sein will.
Freiheit gehört zu den Wesensmerkmalen der zweiten Dimension des Personseins. Der bewusste Mensch ist “Herr seiner selbst”: Er kann seine Triebe beherrschen, nein sagen, wo alles in ihm ja schreit, und ja sagen, wo alles in ihm nein schreit. Diese Herrschaft über sich selbst impliziert Verantwortung: Wer Herr seiner Handlungen ist, muss auch für sie einstehen. Freiheit ist damit die Voraussetzung für sittliches Handeln in der dritten Dimension — für Verdienst und Schuld, für die Verwirklichung oder Verfehlung der eigenen Eigentlichkeit (vgl. Bexten 2017, S. 202—230).
Die Tradition unterscheidet zwischen dem actus humanus (der bewussten, freien personalen Handlung) und dem actus hominis (der unwillkürlichen Tätigkeit). Nur der actus humanus zeigt das Personverhalten in seiner vollen Kraft und setzt die Person als personal-erst-ursächlich Handelnde ein. Aus der Freiheit erwächst auch die Möglichkeit der Selbsttranszendenz: sich über sich selbst hinauszubewegen, den anderen als Jemand zu begegnen und zu lieben. Karol Wojtyła hat das Zusammenspiel von Freiheit und Personalistischer Norm besonders herausgearbeitet.
Kapitelzuordnung: Kapitel 4: Was ist menschliches Personsein? (bes. 4.7.4)
Ontologische Einordnung: Oberbegriffe: Urphänomen, Wesenscharakteristikum (als FreierWille)
Ontologische Beziehungen:
- wird vorausgesetzt von: Personale Liebe, Selbsthingabe, Selbstbeherrschung
- ist Grund für: Recht auf Freiheit (gründetIn)
Siehe auch:
- Zweite Dimension
- Dritte Dimension
- Erste Dimension
- Personsein
- Person
- Menschliche Person
- Personverhalten
- Actus humanus
- Verantwortung
- Tugend
- Liebe
- Bejahung
- Selbsttranszendenz
- Verzeihen
- Wahrheit
- Erkenntnis
- Einsicht
- Vernunft
- Innerlichkeit
- Selbstbewusstsein
- Intentionalität
- Würde
- Personalistische Norm
- Jemand
- Substanz
- Seele
- Natur
- Akt und Potenz
- Agere sequitur esse
- Personvergessenheit
- Embryo
- Demenz
- Personbegriff
- Basale Relationen
- Urphänomen
- Interpersonalität
- Robert Spaemann
- Karol Wojtyła
- Thomas von Aquin
- Aristoteles
- Kapitel 4: Personsein
- Künstliche Intelligenz
- KI-Ethik
- Macht
- Gewissen