Agere sequitur esse

Agere sequitur esse — “Das Handeln folgt dem Sein” — ist ein Grundsatz der thomistischen Philosophie und ein Schlüsselprinzip für das Verständnis des Verhältnisses von Personsein und Personverhalten (Bexten 2017, S. 195 ff.).

Bedeutung für die Personontologie

Das Prinzip besagt: Die Art des Handelns eines Seienden folgt aus der Art seines Seins. Eine Person handelt personal, weil sie Person ist — nicht umgekehrt. Das Personsein ist der ontologische Grund des Personverhaltens. Thomas von Aquin formuliert: operatio sequitur esse — das Wirken folgt dem Sein.

Konsequenz: Personsein geht Personverhalten voraus

Daraus folgt die zentrale These des Buches: Der Mensch ist nicht Person, weil er denkt, fühlt oder handelt. Vielmehr denkt, fühlt und handelt er, weil er Person ist. Vernunft, Freiheit, Selbstbewusstsein sind Ausdrucksformen des Personseins, nicht dessen Bedingungen.

Gegen den Funktionalismus

Der empirisch-funktionalistische Personbegriff kehrt dieses Verhältnis um: Er macht das aktuale Handeln (Bewusstsein, Rationalität) zur Bedingung des Personseins. Peter Singer und Derek Parfit vertreten diese Position. Damit werden Embryonen und Menschen mit Demenz zu Nicht-Personen erklärt.

Akt und Potenz

Das Prinzip hängt eng mit der aristotelisch-thomistischen Lehre von Akt und Potenz zusammen: Das Personsein ist der Akt, aus dem das Personverhalten als Verwirklichung der Potenz hervorgeht. Die Natur der Person enthält die Vermögen (Potenzen), die im Handeln aktualisiert werden.

Drei Dimensionen

Das Prinzip strukturiert die drei Dimensionen des Personseins:

Siehe auch