Demenz

Auch der Mensch mit schwerer Demenz bleibt uneingeschränkt Person: Das Personsein ist nicht identisch mit dem Personverhalten (vgl. Bexten 2017, S. 195 ff., 293 ff.). Wer das Personsein an aktuale Fähigkeiten wie Selbstbewusstsein, Vernunft oder Erkenntnis knüpft — wie der empirisch-funktionalistische Personbegriff (Locke, Singer, Parfit) es tut —, muss konsequent annehmen, dass ein Mensch mit fortgeschrittener Demenz keine Person mehr ist. Die Dissertation zeigt, dass diese Konsequenz die Unhaltbarkeit des funktionalistischen Ansatzes offenbart und eine Form der Personvergessenheit darstellt.

Das Prinzip agere sequitur esse — das Handeln folgt dem Sein — besagt: Der Mensch denkt, weil er Person ist, nicht umgekehrt. Wenn das aktuale Denken aufhört, hört nicht das Personsein auf, sondern nur eine seiner Äußerungen. Die erste Dimension des Personseins — das grundlegende geistige Dasein — bleibt unverlierbar, solange der Mensch lebt; die zweite Dimension (actus humanus, Intentionalität) ist beeinträchtigt, die dritte Dimension (Selbsttranszendenz, Bejahung) kann erschwert sein. Spaemann formuliert: “Jemand, der eine Person war, hat nicht aufgehört, eine Person zu sein.” Die Würde des Menschen mit Demenz gründet in seinem Sein, nicht in seinen Fähigkeiten; die Substanz der Person wird durch den Verlust von Akzidenzien nicht aufgehoben. Die Personalistische Norm gilt uneingeschränkt: Auch der demente Mensch ist um seiner selbst willen zu liebenHengstenberg sieht hierin den Prüfstein der Liebe.

Kapitelzuordnung: Kapitel 5: Personvergessenheit, Kapitel 4: Was ist menschliches Personsein?

Ontologische Zuordnung: Demenz betrifft das Personverhalten (zweite und dritte Dimension), nicht das Personsein (erste Dimension). Das Verwechseln von Personsein und Personverhalten ist (gemäss Ontologie) Kern der Personvergessenheit.

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