Leib

Der menschliche Leib ist kein bloßer Körper im Sinne eines Materieklumpens, sondern ein beseelter Leib: durchformt von der Geistseele, dem geistigen Lebensprinzip des Menschen. Er besteht aus denselben chemischen Elementen wie jeder andere Körper — Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff —, aber er ist von innen her durch das geistige Lebensprinzip zu einem lebendigen Ganzen gemacht. Der Leib ist nicht das Gefängnis der Seele und die Seele nicht der Passagier des Leibes: Der Mensch ist sein Leib, und er ist seine Seele — er ist beides zugleich und untrennbar.

Der Leib der Person drückt die metaphysische Erhabenheit und unverlierbare personale Würde des Menschen aus. Das menschliche Gesicht strahlt das personale Selbst aus und macht den anderen als Jemand erfahrbar. Jede Tätigkeit des menschlichen Leibes — selbst die scheinbar “nur biologischen” Vorgänge — ist beim Menschen immer auch personal geprägt: Das menschliche Essen ist nicht dasselbe wie das tierische Fressen, der menschliche Beischlaf nicht bloß tierische Begattung, sondern ein personaler Akt (vgl. Bexten 2017, S. 165—175).

Die Form-Stoff-Unterscheidung zeigt: Der Stoff allein erklärt den Menschen nicht. Aus Atomen kann man Moleküle machen, aus Molekülen Zellen — aber aus Zellen kann man keinen Gedanken machen, keinen freien Willensentschluss, keine Liebe. Der Leib ist die materielle Seite der Leib-Seele-Einheit, in der das Personsein als geistiges Substanzsein im Leib verwirklicht ist. Diese Einheit besteht von Anfang an: Schon der Embryo hat einen beseelten Leib, durchformt von seinem geistigen Lebensprinzip.

Kapitelzuordnung: Kapitel 4: Was ist menschliches Personsein? (bes. 4.3, 4.6.5)

Ontologische Einordnung: Oberbegriff: Materie

Siehe auch