Gametenspende
Die Bereitstellung von Ei- oder Samenzellen durch eine dritte Person zum Zweck der künstlichen Befruchtung. Die Gametenspende führt zur Aufspaltung der Elternschaft in genetische und soziale Elternschaft und verletzt die Einheit von Zeugung und Elternschaft, die der Personalistischen Norm zugrunde liegt (vgl. Bexten 2017, S. 330 ff.).
Die Gametenspende ist eine Form der praktischen Personvergessenheit, weil sie die personale Beziehung zwischen Eltern und Kind in ihre biologischen Komponenten zerlegt. In der natürlichen Ordnung sind genetische, austragende und soziale Mutterschaft bzw. Vaterschaft in einer Person vereint. Die Gametenspende zerreißt diese Einheit und erzeugt eine fragmentierte Elternschaft, in der das Kind nicht weiß oder nicht wissen kann, wer seine leiblichen Eltern sind.
Aus personalontologischer Sicht ist die Zeugung eines Kindes kein bloß biologischer Vorgang, sondern ein zutiefst personaler Akt: In der Zeugung geben zwei Personen einer neuen Person das Sein. Die Gametenspende trennt die biologische Weitergabe des Lebens von der personalen Beziehung der Eltern und reduziert die Gameten — Keimzellen, die die genetische Identität einer Person tragen — auf Material, das ausgetauscht werden kann.
Die Ontologie unterscheidet die Samenspende und die Eizellspende als Unterbegriffe der Gametenspende. Beide werfen spezifische Probleme auf: Die Eizellspende erfordert invasive medizinische Eingriffe bei der Spenderin; die Samenspende kann zur Existenz zahlreicher genetischer Halbgeschwister führen, die einander nicht kennen.
Für den Embryo, der aus einer Gametenspende entsteht, ergeben sich tiefgreifende Fragen der Identität: Das Recht des Kindes, seine Herkunft zu kennen, wird strukturell verletzt. Die Instrumentalisierung zeigt sich darin, dass die Interessen der Erwachsenen (Kinderwunsch) über die Rechte des entstehenden Kindes gestellt werden.
Ontologische Einordnung:
- Oberbegriff: Praktische Personvergessenheit
- Unterbegriffe: Samenspende, Eizellspende
Kapitelzuordnung: Kapitel 5: Personvergessenheit