Leben (biologisch)

Im allgemeinen Sprachgebrauch unterscheidet man häufig zwischen “biologischem Leben” (den körperlichen Lebensvorgängen) und “personalem Leben” (dem bewussten, denkenden, fühlenden Dasein). Manche Denker nutzen diese Unterscheidung, um zu behaupten, der Embryo sei zwar biologisch ein Mensch, aber noch keine Person — erst wenn bestimmte Fähigkeiten auftreten (Schmerzempfinden, Bewusstsein, Selbstbewusstsein), beginne das personale Leben.

Diese Unterscheidung hält einer näheren Prüfung nicht stand. Das biologische Leben des Menschen wird von seinem geistigen Lebensprinzip — der Geistseele — getragen. Die Seele ist nicht eine “Extra-Zutat”, die irgendwann zum Körper hinzukommt. Sie ist das, was den Körper lebendig macht. Wo menschliches Leben ist, da ist eine menschliche Seele. Und wo eine menschliche Seele ist, da ist eine menschliche Person. Die Unterscheidung zwischen “nur biologischem” und “eigentlich personalem” Leben ist eine philosophische Fiktion — in der Wirklichkeit gibt es sie nicht (vgl. Bexten 2017, S. 176—182).

Jede Tätigkeit des menschlichen Leibes — selbst die scheinbar “nur biologischen” Vorgänge — ist beim Menschen immer auch personal geprägt. Das menschliche Essen ist nicht dasselbe wie das tierische Fressen, der menschliche Schlaf nicht dasselbe wie der Winterschlaf eines Bären. Selbst das Atmen geschieht im Leib einer Person und ist deshalb immer das Atmen einer Person. Spaemann hat die “ontologische Aufspaltung” des Menschen in einen bloß biologisch lebenden und einen personal lebenden Menschen als Konsequenz des lockeschen Personbegriffs kritisiert. Wo menschliches Leben ist, da ist eine menschliche Person — vom ersten Augenblick bis zum letzten.

Kapitelzuordnung: Kapitel 4: Was ist menschliches Personsein? (bes. 4.6.5)

Ontologische Einordnung: Oberbegriff: Leben

Ontologische Beziehungen:

Siehe auch: