Befruchtung
Die Befruchtung — die Verschmelzung von Ei- und Samenzelle — markiert den Beginn eines neuen menschlichen Personseins: Ab diesem Zeitpunkt existiert ein neues Seiendes mit eigener Natur, eigener genetischer Identität und eigener Substanz (vgl. Bexten 2017, S. 195 ff.). Was bei der Befruchtung beginnt, ist nicht bloß ein biologischer Prozess, der irgendwann “personale Qualität” gewinnt, sondern von Anfang an das personale Leben eines Jemand. Die geistige Seele — das Lebensprinzip des Menschen — durchformt den neuen Organismus von der ersten Zelle an als seine Wesensform; Thomas von Aquin lehrt, dass die Seele die forma corporis ist, die den Stoff zum Leib und den Leib zur Leib-Seele-Einheit macht.
Der Embryo besitzt damit alle Merkmale der ersten Dimension des Personseins: Er ist real, in sich stehend, einmalig und hat die aktive Anlage zur Entfaltung aller personalen Fähigkeiten der zweiten und dritten Dimension. Spaemann formuliert pointiert: “Es gibt keine potentiellen Personen.” Die Unterscheidung von Akt und Potenz bezieht sich auf die Fähigkeiten, nicht auf das Personsein selbst. Die Versuche, den Beginn des Personseins auf einen späteren Zeitpunkt zu verlegen — etwa auf die Nidation, die Gehirnentwicklung oder das Bewusstsein —, beruhen auf dem empirisch-funktionalistischen Personbegriff, der Personsein mit Personverhalten verwechselt (agere sequitur esse). Mit dem Personsein kommt dem Embryo unverlierbare Würde zu; die Personalistische Norm gilt vom Augenblick der Befruchtung an.
Kapitelzuordnung: Kapitel 4: Was ist menschliches Personsein? (bes. 4.7.3), Kapitel 5: Personvergessenheit
Siehe auch:
- Embryo
- Personsein
- Person
- Menschliche Person
- Erste Dimension
- Zweite Dimension
- Dritte Dimension
- Seele
- Leib
- Leib-Seele-Einheit
- Form und Stoff
- Akt und Potenz
- Substanz
- Natur
- Biologisches Leben
- Personales Leben
- Würde
- Jemand
- Personalistische Norm
- Agere sequitur esse
- Personverhalten
- Personvergessenheit
- Empirisch-funktionalistischer Personbegriff
- Personbegriff
- Basale Relationen
- Innerlichkeit
- Freiheit
- Erkenntnis
- Wesensgesetz
- Urphänomen
- Demenz
- Liebe
- Selbstbewusstsein
- Thomas von Aquin
- Robert Spaemann
- Hedwig Conrad-Martius
- Josef Seifert
- Karol Wojtyła
- Kapitel 4: Personsein
- Kapitel 5: Personvergessenheit