Personverhalten

Personverhalten ist alles, was eine Person aktuell tut oder als Fähigkeit besitzt und grundsätzlich ausüben könnte: Denken, Urteilen, Fühlen, Wollen, Handeln, Lieben, Verzeihen. Es ist die “zweite Wirklichkeit” — die Aktualisierung dessen, was in der “ersten Wirklichkeit”, dem Personsein, als Anlage bereits da war. Die klassische Tradition unterscheidet dabei zwischen dem actus humanus — der bewussten, freien, personalen Handlung — und dem actus hominis — einer Tätigkeit, die der Mensch vollzieht, die aber nicht aus seiner bewussten Freiheit hervorgeht, wie etwa das Atmen oder der Herzschlag.

Entscheidend ist: Personverhalten konstituiert nicht das Personsein, sondern setzt es voraus. Erst muss jemand da sein, dann kann er handeln. Ein Mensch wird nicht dadurch zur Person, dass er denkt — er denkt, weil er eine Person ist. Personverhalten ist der Erkenntnisgrund des Personseins: Wir erkennen, dass jemand eine Person ist, unter anderem daran, dass er sich als Person verhält. Aber der Erkenntnisgrund ist nicht der Seinsgrund — so wie wir ein Feuer am Rauch erkennen, ohne dass der Rauch das Feuer hervorbringt (vgl. Bexten 2017, S. 143—152).

Die Verwechslung von Personsein und Personverhalten liegt dem empirisch-funktionalistischen Personbegriff zugrunde, der von John Locke über Derek Parfit bis Peter Singer Personverhalten als personkonstitutiv auffasst. Wer so denkt, muss dem schlafenden Menschen, dem Embryo und dem Menschen mit schwerer Demenz das Personsein absprechen — eine Konsequenz, die Robert Spaemann und Karol Wojtyła als Grundirrtum zurückweisen.

Kapitelzuordnung: Kapitel 4: Was ist menschliches Personsein? (bes. 4.6.2), Kapitel 3

Ontologische Einordnung: Unterbegriffe: Aktive Potenz Zum Personverhalten, Aktuelles Personverhalten, Voluntativ Aktualisierbares Personverhalten

Ontologische Beziehungen:

Siehe auch: Personsein, Person, Freiheit, Erkenntnis, Zweite Dimension, Dritte Dimension, Substanz, Akt und Potenz, Einsicht, Wahrheit, Liebe, Würde, Jemand, Embryo, Personalistische Norm, Menschliche Person, Natur, Agere sequitur esse, Actus humanus, Selbstbewusstsein, Vernunft, Innerlichkeit, Intentionalität, Selbsttranszendenz, Bejahung, Verzeihen, Tugend, Verantwortung, Personvergessenheit, Personbegriff, Empirisch-funktionalistischer Personbegriff, Demenz, Seele, Leib, Erste Dimension, Basale Relationen, Robert Spaemann, John Locke, Karol Wojtyła, Thomas von Aquin, Kapitel 4: Personsein, Kapitel 3: Personbegriff