David Wiggins (*1933)
David Wiggins ist ein analytischer Philosoph, der den Locke’schen Personbegriff zu modifizieren versucht, ohne ihn ganz aufzugeben. Im Buch dient seine Position als Beispiel für einen Mittelweg, der die Probleme des reinen Funktionalismus erkennt, aber die substanzontologische Alternative nicht konsequent verfolgt.
Schlüsselbeitrag
Wiggins erkennt die Schwächen des reinen empirisch-funktionalistischen Personbegriffs: Wenn Person nur durch aktuale Bewusstseinsfunktionen definiert wird, entstehen unlösbare Probleme der personalen Identität. Er ergänzt daher Lockes Kriterium um physische Ähnlichkeit und Spezieszugehörigkeit: Ein Wesen ist dieselbe Person, wenn es physisch hinreichend ähnlich ist und zur selben biologischen Spezies gehört (vgl. Bexten 2017, S. 95 ff.).
Zentrale Ideen im Buch
Modifikation des Locke’schen Ansatzes
Wiggins sieht: Lockes rein psychologisches Kriterium des Selbstbewusstseins reicht nicht aus, um die Identität der Person zu sichern. Denn das Bewusstsein kann unterbrochen, gestört oder verändert werden — und doch bleibt die Person dieselbe. Wiggins fügt daher körperliche Kontinuität und biologische Spezieszugehörigkeit als Kriterien hinzu. Damit bewegt er sich in Richtung auf die substanzontologische Position, ohne sie jedoch vollständig einzunehmen.
Spezieszugehörigkeit und Menschsein
Wiggins’ Rekurs auf die Spezieszugehörigkeit nähert sich der These des Buches an: Wer zur Spezies Mensch gehört, ist Person. Doch er bleibt dabei im Rahmen eines empirischen Kriteriums, statt den ontologischen Grund zu benennen: Es ist nicht die biologische Spezieszugehörigkeit als solche, die das Personsein begründet, sondern das substantielle Sein als menschliche Person — die vernünftige Natur, die jeder Mensch von Anfang an hat, weil die Seele als Form den Leib durchformt.
Halbherzige Korrektur
Das Buch anerkennt Wiggins’ Korrektur als Schritt in die richtige Richtung, zeigt aber: Die Korrektur bleibt halbherzig, weil sie nicht zum ontologischen Fundament vordringt. Solange Person ein Funktionsbegriff bleibt — wenn auch um empirische Kriterien ergänzt —, kann die Würde der Person nicht als unverlierbar begründet werden. Nur der substanzontologische Personbegriff, der Personsein als Substanz und Erste Dimension versteht, leistet dies.
Stellung im Buch
Wiggins wird im Kapitel Was ist eine Person? behandelt, wo die verschiedenen Personbegriffe dargestellt und verglichen werden. Seine Position zeigt exemplarisch, dass der empirisch-funktionalistische Ansatz auch in seiner modifizierten Form die grundlegenden Fragen nicht beantworten kann.
Siehe auch
- John Locke
- Derek Parfit
- Peter Singer
- Boethius
- Robert Spaemann
- Thomas von Aquin
- Aristoteles
- Rene Descartes
- Karol Wojtyła
- Empirisch-funktionalistischer Personbegriff
- Personbegriff
- Substanzontologischer Personbegriff
- Person
- Personsein
- Selbstbewusstsein
- Menschliche Person
- Natur
- Substanz
- Würde
- Jemand
- Seele
- Leib
- Form und Stoff
- Leib-Seele-Einheit
- Erste Dimension
- Zweite Dimension
- Personverhalten
- Personvergessenheit
- Agere sequitur esse
- Vernunft
- Menschenbegriff
- Embryo
- Demenz
- Personalistische Norm
- Kapitel 3: Personbegriff
- Kapitel 5: Personvergessenheit