Aristoteles (384—322 v. Chr.)

Aristoteles ist der philosophische Urgrund, auf dem die gesamte substanzontologische Tradition aufbaut. Seine Begriffe und Unterscheidungen — Form und Stoff, Akt und Potenz, Substanz und Akzidenz — bilden das begriffliche Gerüst, das Boëthius und Thomas von Aquin für die Personontologie fruchtbar gemacht haben.

Schlüsselbeitrag

Aristoteles bestimmt den Menschen als zoon logon echon — als vernunftbegabtes Lebewesen. Diese Bestimmung ist keine bloße Klassifikation, sondern eine Wesensaussage: Der Mensch ist das Wesen, das logos hat — Vernunft, Sprache, die Fähigkeit, das Wahre vom Falschen zu unterscheiden. Aristoteles nennt die Philosophie die “Wissenschaft der Wahrheit” (episteme tes aletheias) und begründet damit den Anspruch, dass die Frage nach dem Wesen des Menschen einer vernünftigen Antwort fähig ist (vgl. Bexten 2017, S. 37 ff.).

Zentrale Ideen im Buch

Form und Stoff

Die Lehre von Form und Stoff (Hylemorphismus) besagt: Jedes natürliche Wesen ist eine Einheit aus Stoff (materia) und Form (forma). Die Form ist das bestimmende, der Stoff das bestimmbare Prinzip. Bei der menschlichen Person ist die Seele die Form des Leibes: Sie macht den Leib zu dem, was er ist — ein beseelter, lebendiger, personaler Leib. Daraus ergibt sich die Leib-Seele-Einheit, die kein nachträgliches Zusammenfügen zweier Teile ist, sondern eine ursprüngliche Einheit.

Akt und Potenz

Die Unterscheidung von Akt und Potenz ist für das Verständnis des Personseins unverzichtbar. Ein Wesen kann Fähigkeiten haben (Potenz), ohne sie gerade auszuüben (Akt). Ein schlafender Mensch hat die Fähigkeit zu denken, auch wenn er gerade nicht denkt. Ein Embryo hat die Fähigkeit zur Vernunft, auch wenn er sie noch nicht aktualisiert hat. Das Personsein ist der Akt (die Erste Dimension), das Personverhalten die Aktualisierung der Potenz (die Zweite Dimension).

Philosophie als Wissenschaft der Wahrheit

Aristoteles’ Verständnis der Philosophie als Suche nach Wahrheit liegt dem methodischen Anspruch des Buches zugrunde. Die Frage “Was ist der Mensch?” ist keine Geschmacksfrage, sondern eine Frage, die einer wahren Antwort fähig ist. Die Einsicht in Wesensgesetze — notwendige Sachverhalte, die so sind und nicht anders sein können — ist der Weg zu dieser Antwort.

Stellung im Buch

Aristoteles wird in den Kapiteln Wie lässt sich diese Frage beantworten?, Was ist eine Person? und Was ist menschliches Personsein? herangezogen. Seine Begriffe werden durch Thomas von Aquin, Conrad-Martius und Reinach weiterentwickelt und für die Personontologie fruchtbar gemacht.

Siehe auch