Zur Frage, was eine Person ist
Robert Spaemann: Personen. Versuche über den Unterschied zwischen „etwas“ und „jemand“ (Klett-Cotta, 1998).
Dieses Buch ist der wohl wichtigste zeitgenössische Beitrag zur Philosophie der Person. Spaemann zeigt in klarer, eindringlicher Sprache, dass der Unterschied zwischen einer Person und einem bloßen Etwas nicht ein gradueller ist, sondern ein grundsätzlicher. Personen sind nicht eine besondere Sorte von Gegenständen — sie sind Jemande. Spaemann verbindet die substanzontologische Tradition mit dem Gedanken der Relationalität: Personsein heißt immer, in Beziehung zu stehen. Wer nur ein einziges Buch zu diesem Thema lesen will, sollte dieses wählen.
Josef Seifert: Sein und Wesen (Winter, 1996).
Seiferts philosophisches Hauptwerk fragt nach den grundlegenden Strukturen des Seienden. Was heißt es überhaupt, dass etwas ist? Was heißt es, ein Wesen zu haben? Diese Fragen klingen abstrakt, aber ihre Antworten betreffen unmittelbar das Verständnis der menschlichen Person. Denn wer wissen will, was der Mensch ist, muss zunächst verstehen, was „Sein“ und „Wesen“ überhaupt bedeuten. Das Buch ist anspruchsvoll, aber für den, der tiefer vordringen will, unumgänglich.
Josef Seifert: Leib und Seele. Ein Beitrag zur philosophischen Anthropologie (Pustet, 1973).
Eine Untersuchung der Einheit von Leib und Seele, die beide Extreme vermeidet: weder löst sie den Menschen in bloße Materie auf, noch behandelt sie den Leib als unwesentlichen Anhang. Seifert zeigt, dass der Mensch ein leiblich-geistiges Wesen ist, dessen Leiblichkeit zum Personsein wesentlich dazugehört. Für jeden lesenswert, der die Frage „Bin ich mein Körper?“ ernsthaft durchdenken möchte.
John F. Crosby: The Selfhood of the Human Person (Catholic University of America Press, 1996).
Crosby geht der Frage nach, was das Eigentümliche jeder einzelnen Person ausmacht: ihre Unwiederholbarkeit, ihre Nicht-Austauschbarkeit, ihr unverwechselbares Selbstsein. Das Buch ist in englischer Sprache verfasst und verbindet personalistische Philosophie mit einer Sensibilität für das Einmalige und Unvertretbare jeder menschlichen Person.
Karol Wojtyła: Person und Tat (Herder, 1981).
Wojtyła — der spätere Papst Johannes Paul II. — untersucht das Verhältnis von Person und Handlung und zeigt: Im Handeln erkennt sich die Person selbst. Der Mensch erfährt, wer er ist, indem er handelt. Das Buch verbindet die phänomenologische Tradition mit dem Denken des Thomas von Aquin und eröffnet einen Zugang zum menschlichen Personsein, der vom konkreten Erleben ausgeht. Ergänzend dazu ist Wojtyłas Liebe und Verantwortung (Kösel, 1979) zu empfehlen — eine tiefgründige Untersuchung der personalen Liebe zwischen Mann und Frau, die weit über eine bloße „Beziehungsethik“ hinausgeht.
Max Scheler: Der Formalismus in der Ethik und die materiale Wertethik (1913/16).
Schelers Hauptwerk enthält eine der eindringlichsten Analysen der Person, die je geschrieben wurden. Scheler zeigt, dass die Person der Vollzieher aller Akte ist — nicht ein Ding hinter den Akten, sondern das konkrete Wesen, das in jedem Akt ganz lebt. Das Werk ist umfangreich und voraussetzungsreich, aber die Abschnitte über die Person und über den Ordo Amoris — die objektive Rangordnung der Werte — gehören zum Bleibenden der Philosophie.
Vollständige bibliographische Angaben im Literaturverzeichnis.
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