Max Scheler (1874—1928)
Max Scheler ist der Denker, der die Frage nach dem Menschen zur Grundfrage der Philosophie erhoben hat. Sein Personbegriff und seine philosophische Anthropologie sind für das Buch ein wichtiger Bezugspunkt, insbesondere seine Einsicht in den absoluten Charakter des Personbegriffs und in die Zweideutigkeit des Wortes “Mensch”.
Schlüsselbeitrag
Scheler formuliert den programmatischen Satz: “Alle zentralen Probleme der Philosophie lassen sich auf die Frage zurückführen, was der Mensch sei.” Zugleich erkennt er die Zweideutigkeit des Wortes “Mensch”: Es kann den biologischen Organismus meinen oder das personale Wesen. Wer diese Zweideutigkeit nicht beachtet, gerät unweigerlich in Verwirrung — denn je nachdem, welche Bedeutung man zugrunde legt, ergeben sich völlig verschiedene Antworten auf die Frage nach Würde, Rechten und Schutzwürdigkeit (vgl. Bexten 2017, S. 61 ff.).
Zentrale Ideen im Buch
Person als absoluter Name
Für Scheler ist “Person” ein absoluter Name — ein Wort, das nicht auf etwas anderes zurückgeführt werden kann. Person ist kein Gattungsbegriff, keine Rolle, kein Funktionsträger, sondern die Bezeichnung für ein einmaliges, unwiederholbares Wesen. Diese Einsicht steht in Übereinstimmung mit der Tradition von Boëthius und Thomas von Aquin, die Person als das Einmalige (individua) und Vollkommenste bestimmt haben.
Zweideutigkeit des Wortes “Mensch”
Scheler deckt auf, dass das Wort “Mensch” in verschiedenen Bedeutungen verwendet wird, ohne dass dies bemerkt wird. Manche meinen mit “Mensch” nur den biologischen Organismus (homo sapiens), andere meinen die menschliche Person als geistiges Wesen. Die Personvergessenheit nährt sich auch von dieser Zweideutigkeit: Wer “Mensch” nur biologisch versteht, kann leicht dazu kommen, Personsein als etwas Zusätzliches anzusehen, das man haben oder nicht haben kann.
Wertphilosophie und Personwürde
Scheler begründet eine materiale Wertethik, in der die Person als Trägerin von Werten erscheint. Die Würde der Person ist kein bloß formales Prinzip, sondern ein inhaltlich gefüllter Wert, der in der Einsicht erfasst werden kann. Diese Linie wird von Josef Seifert weitergeführt, der die Personwürde als ontologischen Wert versteht.
Stellung im Buch
Scheler wird vor allem in den Kapiteln Einleitung und Was ist eine Person? herangezogen. Seine Diagnose der Zweideutigkeit des Menschenbegriffs und sein Verständnis der Person als absoluter Name bereiten die systematische Entfaltung des substanzontologischen Personbegriffs vor.
Siehe auch
- Josef Seifert
- Edmund Husserl
- Edith Stein
- Robert Spaemann
- Karol Wojtyła
- Hans Eduard Hengstenberg
- Person
- Personsein
- Menschliche Person
- Personbegriff
- Würde
- Jemand
- Personvergessenheit
- Einsicht
- Erkenntnis
- Vernunft
- Liebe
- Bejahung
- Selbsttranszendenz
- Innerlichkeit
- Intentionalität
- Begriff
- Menschenbegriff
- Werte
- Phänomenologie
- Substanzontologischer Personbegriff
- Interpersonalität
- Basale Relationen
- Freiheit
- Natur
- Kapitel 1: Einleitung
- Kapitel 3: Personbegriff