Phänomenologische Methode
Die philosophische Methode der Arbeit — genauer: die Methode, mit der die Ontologie der Person erschlossen wird. In der Phänomenologie gibt es jedoch nicht eine einheitliche Methode, sondern drei grundverschiedene, einander widersprechende Richtungen, die unter demselben Namen firmieren. Diese Unterscheidung ist entscheidend, weil die Wahl der phänomenologischen Richtung die gesamte Ontologie bestimmt.
Die drei Richtungen sind: (1) Die Realistische Phänomenologie, wie sie von Adolf Reinach, Dietrich von Hildebrand und Josef Seifert vertreten wird. Sie geht davon aus, dass die Phänomene, die sich dem Bewusstsein zeigen, Aspekte einer bewusstseinsunabhängigen Wirklichkeit sind. Die Wesenserschauung erfasst hier reale Wesenheiten und Wesensgesetze. (2) Die existentialistische Phänomenologie (Heidegger, Sartre), die die Frage nach dem Sein radikal umformuliert und den Vorrang der Existenz vor dem Wesen behauptet. (3) Die transzendental-idealistische Phänomenologie (Husserl in seiner späteren Phase), die alle Wirklichkeit auf Konstitutionsleistungen des transzendentalen Bewusstseins zurückführt.
Die Dissertation stellt sich entschieden in die Tradition der realistischen Phänomenologie. Nur in dieser Richtung lässt sich sinnvoll von einer Ontologie der Person sprechen — denn Ontologie fragt nach dem Sein der Dinge, nicht bloß nach ihren Erscheinungsweisen im Bewusstsein. Die realistische Phänomenologie ist kompatibel mit der thomistischen Metaphysik und ergänzt sie: Wo Thomas von Aquin die Seinsprinzipien der Person analysiert (actus essendi, Akt und Potenz, Substanz und Akzidens), erschließt die phänomenologische Methode die Wesenheiten und Wesensgesetze, die sich im konkreten Erleben zeigen.
Die phänomenologische Methode erfordert, dass der Erkennende sich den Sachen selbst zuwendet — ohne Vorurteile, ohne Reduktion auf vorab festgelegte Kategorien. Die Erkenntnis von Urphänomenen wie Würde, Gerechtigkeit oder Liebe ist nur in dieser Haltung der Offenheit möglich.
Ontologische Einordnung
- hat Unterklassen (drei Richtungen): Realistische Phänomenologie, Existentialistische Phänomenologie, Transzendental-idealistische Phänomenologie
Ontologische Beziehungen:
- hat Unterklasse: Realistische Phänomenologie
- hat Unterklasse: Existentialistische Phänomenologie
- hat Unterklasse: Transzendental-idealistische Phänomenologie
Siehe auch: