Whistleblowing

Ein personaler Akt, in dem eine Person eine Verletzung der Personalistischen Norm im Unternehmen aufdeckt. Das Whistleblowing gründet im Gewissen (als Zusammenwirken von Rationalität und Wahrheitsfähigkeit) und setzt die Dritte Dimension des personalen Lebens voraus: Die Person stellt sich in den Dienst einer übergeordneten Wahrheit und Gerechtigkeit, die ihr eigenes Wohlergehen übersteigt.

Whistleblowing ist kein bloßer Akt der Informationsweitergabe, sondern ein sittlicher Akt von hoher personaler Bedeutung. Die Person, die einen Missstand aufdeckt, vollzieht eine Entscheidung, die häufig mit erheblichen persönlichen Nachteilen verbunden ist. Sie handelt aus Verantwortung — nicht nur gegenüber den unmittelbar Betroffenen, sondern gegenüber der Wahrheit selbst. Damit verwirklicht der Whistleblower die Dritte Dimension des personalen Lebens: Er transzendiert die eigene Situation und stellt sich in den Dienst des Guten und Wahren (vgl. Bexten 2017, S. 244–250).

Die personalontologische Begründung des Whistleblowings unterscheidet sich von rein konsequentialistischen Rechtfertigungen: Es geht nicht primär darum, ob das Aufdecken „mehr Nutzen als Schaden” bringt, sondern darum, dass das Gewissen der Person sie zum Handeln verpflichtet. Wer eine Verletzung der Personalistischen Norm erkennt — etwa die Instrumentalisierung von Personen, die Missachtung ihrer Würde oder systematischen Betrug — und schweigt, verfehlt sich gegen seine eigene Berufung zur Wahrheit. Das Gewissen als Ort der Begegnung von Rationalität und sittlicher Wahrheit lässt der Person keine ruhige Alternative zum Handeln.

Die ontologische Relation deckteAuf verbindet den Whistleblower mit dem aufgedeckten Missstand und verweist auf die konstitutive Verbindung zwischen personaler Erkenntnis und sittlichem Handeln: Wer die Wahrheit erkennt, ist aufgerufen, für sie einzustehen.

Ontologische Einordnung:

Ontologische Beziehungen:

Kapitelzuordnung: Kapitel 6: Anwendungen

Siehe auch: Gewissen, Personalistische Norm, Dritte Dimension, Wahrheitsfähigkeit, Verantwortung, Rationalität, Personaler Akt, Person, Entscheidung, Freiheit