Karol Wojtyła (1920—2005)
Karol Wojtyła — der spätere Papst Johannes Paul II. — ist als Philosoph ein wichtiger Bezugspunkt des Buches. Seine Formulierung der Personalistischen Norm fasst in einem Satz zusammen, was aus dem Personsein für den Umgang mit der Person folgt.
Schlüsselbeitrag
Wojtyła formuliert die Personalistische Norm: “Die Person ist ein Wesen, das um seiner selbst willen zu bejahen und zu lieben ist.” Diese Norm ist keine bloße moralische Forderung, sondern folgt aus dem Sein der Person selbst: Weil die Person ein Jemand ist — ein einmaliges, unwiederholbares Wesen mit Würde —, ist die einzig angemessene Antwort auf sie die Bejahung und die Liebe. Jede Verzweckung der Person verletzt ihre Würde (vgl. Bexten 2017, S. 205 ff.).
Zentrale Ideen im Buch
Personalistische Norm und Würde
Die Personalistische Norm verbindet Ontologie und Ethik: Das Sein der Person (ihre Würde) begründet die Art, wie mit ihr umzugehen ist. Agere sequitur esse gilt auch hier: Das rechte Handeln gegenüber der Person folgt aus der Einsicht in ihr Sein. Wer die Person als bloßes Mittel behandelt, missachtet nicht nur eine Regel, sondern verkennt, was die Person ist.
Person und Liebe
Für Wojtyła ist die Liebe die vollkommenste Antwort auf die Person. Liebe meint hier nicht nur ein Gefühl, sondern den Akt der Bejahung: die Person um ihrer selbst willen bejahen, ihr Dasein als gut anerkennen. Diese Bejahung gehört zur Dritten Dimension des Personseins — der Selbsttranszendenz, in der die Person über sich hinausgeht und sich dem anderen zuwendet.
Gegen die Personvergessenheit
Die Personalistische Norm ist zugleich das Gegenmittel gegen die Personvergessenheit: Wo die Person als Jemand bejaht wird, wird ihr Personsein anerkannt. Wojtyła steht damit in einer Linie mit Spaemann, der betont, dass Personen “nur im Plural” existieren — im Gegenüber von Personen, die einander anerkennen.
Stellung im Buch
Wojtyła wird vor allem in den Kapiteln Was ist menschliches Personsein? und Zusammenfassung herangezogen. Die Personalistische Norm verbindet die ontologische Analyse des Personseins mit der ethischen Konsequenz: Weil der Mensch von Anfang an Person ist, ist er von Anfang an um seiner selbst willen zu achten und zu lieben.
Siehe auch
- Robert Spaemann
- Max Scheler
- Josef Seifert
- Thomas von Aquin
- Hans Eduard Hengstenberg
- Edith Stein
- Edmund Husserl
- Personalistische Norm
- Bejahung
- Liebe
- Würde
- Person
- Personsein
- Menschliche Person
- Jemand
- Selbsttranszendenz
- Interpersonalität
- Verzeihen
- Erste Dimension
- Zweite Dimension
- Dritte Dimension
- Verantwortung
- Freiheit
- Vernunft
- Innerlichkeit
- Erkenntnis
- Einsicht
- Agere sequitur esse
- Actus humanus
- Personvergessenheit
- Substanz
- Embryo
- Tugend
- Personbegriff
- Natur
- Kapitel 4: Personsein
- Zusammenfassung